Fernwärme durch die Hintertür
Quartier Johanniskarree, Chemnitz

Key Facts
Quartier Johanniskarree, Chemnitz, Augustusburger / Bahnhofstraße
- Errichtung eines geschlossenen innerstädtischen Quartiers in gemischter Nutzung
- Anschluss an das Fernwärmenetz und an das Fernkältenetz der Stadt
- Geringer Rohrquerschnitt im Fernwärmenetz
- Platzmangel in der Heizzentrale
- Simmel Chemnitz (Bauherr)
- bhss Architekten, Leipzig (Architektur)
- MTH Plan2, Dresden (Planung Gebäudewärme)
- Jurisch Haustechnik, Kamenz (Installation)
- Kieback&Peter, Berlin (Regelungstechnik)
2024 – 2025
In der Chemnitzer Innenstadt, gegenüber dem Staatlichen Museum für Archäologie, tat sich bis vor kurzem noch eine Weltkriegsbrache auf. Nach acht Jahrzehnten wird sie nun geschlossen – durch das Neubauquartier Johanniskarree. Der Investor Simmel sorgt für die architektonisch anspruchsvolle Bebauung mit einem Gebäudekomplex in der für seine Projekte typischen Mischnutzung: Lebensmittelmarkt, Schulungszentrum, Poliklinik, Apotheke und Wohnungen. Auch ein Parkhaus gehört dazu.
Zuerst den Rücklauf anzapfen
Das Quartier mit seiner zentralen Lage sollte in das städtische Fernwärmenetz eingebunden werden. Jedoch erhob der regionale Energieversorger Bedenken. Die Rohrnennweite des Netzes in der Umgebung des Bauvorhabens reiche derzeit nicht aus, um einen weiteren großen Verbraucher anzuschließen. Das kurzfristig zu ändern, war keine Option, doch wurde ein ungewöhnlicher Gegenvorschlag unterbreitet. Das Problem sei zu lösen, wenn man zur Grundlastversorgung den zum Teil warmen Rücklauf des Fernwärmenetzes anzapfen könne. Der Vorlauf wird zur Absicherung der Spitzenlast genutzt. Das Planungsbüro befand, dass sei prinzipiell möglich. Positiver Nebeneffekt: Durch die Rücklaufauskühlung würde das Fernwärmenetz energieeffizienter. Nun musste ein Anbieter für die nötige Wärmetechnik gefunden werden.
PEWO konnte bereits Erfahrung mit einer derartigen Lösung vorweisen, die selbstverständlich kein Standard ist. Benötigt wurde – neben der Wärmeübertragungstechnik an der „Anzapfstelle“ – eine speziell ausgelegte Übergabestation CAD H, die beide Wärmeströme verarbeiten kann – sowohl den ca. 60 °C warmen Rücklauf, als auch den ca. 100 °C heißen Vorlauf. Es war dies einer der beiden Punkte, die zum Zuschlag führten.
Platzmangel kein Problem
Der andere: PEWO konnte seine modular gegliederte Anlagentechnik kompakt konstruieren und kam daher mit dem geringen Platzangebot in der Heizzentrale und in den Unterzentralen zurecht. Warum dieser Platzmangel bei einem Neubauprojekt? Zum einen handelt es sich eben um ein innerstädtisches Quartier mit von vornherein beschränktem Flächenangebot. Zum anderen sind es keine Standard-Anlagen, die hier zu installieren waren: Allein die CAD H benötigt zum Schluss immer noch eine Grundfläche von sieben mal vier Metern!
Chemnitzer Fernkälte inklusive
Beschlossen wurde auch, das neue Quartier ans Chemnitzer Fernkältenetz anzuschließen. Es ist bereits vorhanden und konnte hier sinnvoll genutzt werden: für Lebensmittelmarkt und Gesundheitseinrichtungen. Das Aktivkälte produzierende Netz bedient sich aus einem großen Kaltwasserspeicher; in der Gebäudeenergie-Branche gilt es deshalb als sehr innovativ. Zur Einkopplung der Kälte ins Quartier lieferte PEWO eine Übergabestation CAD C und vier Verteiler Split C zur Verteilung auf einzelne Gebäude. Die Kälte wird über Kassettendecken in die Räume eingeleitet.
Trinkwassererwärmung: unterschiedlich , je nach Nutzung
Bei der Fernwärme erstreckte sich das Angebot von PEWO nicht nur auf die Übergabe an die Gebäude, sondern auch auf die Trinkwarmwasser-Bereitstellung. Für die gewerblich genutzten Gebäudeteile mit Kälteanschluss empfahl sich dabei eine „halbzentrale“ Wärmelösung: Gebäudewärme und -kälte zentral; Trinkwassererwärmung dezentral. Hierfür lieferte PEWO Frischwasserstationen Aqua B. Die 17 Wohnungen, die zum Johanniskarree gehören, werden hingegen mit komplett dezentralen Lösungen für Gebäudewärme und Trinkwassererwärmung ausgestattet: Wohnungsstationen Therm T.
Das Projekt „Johanniskarree“ ist trotz seiner Planungsintensität eines der seltenen, bei denen PEWO die Vorgaben der Planer ausführte und eine kreative Hydraulik- und Konstruktionslösung lieferte. Es funktionierte gut – ebenso wie die Einbindung der eigenen Anlagen in eine bestehende Leittechnik.













